Im Löhner Rathaus dürften am Mittwoch die Sektkorken geknallt haben. In der Ratssitzung kam die frohe Botschaft: Sage und schreibe zwei Millionen Euro Fördergeld aus dem Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten – Schwimmbäder“ sollen nach Löhne fließen. Das geplante neue Kombi-Hallen- und Freibad bekommt damit einen knackigen Zuschuss.
Allerdings gibt es da noch eine kleine Nebenrechnung. Die Stadt ist bereits jetzt mit ca. 100 Millionen verschuldet.
Denn die derzeitigen Kostenschätzungen für den Ersatzneubau bewegen sich – je nach Planungsstand – inzwischen in einer Größenordnung von 35 bis 60 Millionen Euro. Die zwei Millionen Euro Bundesförderung sind da eher der kleine Rettungsringlein im großen Schwimmbecken der Baukosten.
Oder anders gesagt: Die Stadt bekommt zwei Millionen Euro geschenkt – und muss dafür aber viele, viele Millionen selbst aufbringen.
Das klingt ein wenig wie beim Sonderangebot: „Sie sparen 2 Millionen Euro!“ – wenn man dafür anschließend 40 oder 60 Millionen ausgeben muss.
Doch keine Sorge: Irgendwoher wird das Geld schon kommen.
Schließlich hat Löhne zwei bewährte Einnahmequellen.
1) Die Gewerbesteuer, mit der Löhne bereits zu den besonders teuren Kommunen in Ostwestfalen gehört, könnte künftig noch stärker zur Kasse bitten.
2) Und auch bei der Grundsteuer dürfte man sich daran erinnern, dass Hauseigentümer und letztlich über die Nebenkosten auch Mieter zuverlässig zur Finanzierung kommunaler Großprojekte beitragen können.
Der Schuldenberg bekommt also möglicherweise einen neuen Baustein – aber immerhin einen, auf dem groß „2 Millionen Euro Förderung“ steht.
Besonders bemerkenswert ist dabei die politische Freude über die Förderung. SPD-Bundestagsabgeordneter Stefan Schwartze (SPD) spricht von einem „wichtigen Signal für die Lebensqualität in Löhne“. Auch CDU-Bundestagsabgeordneter Joachim Ebmeyer betont die Bedeutung von Schwimmbädern als Orten der Begegnung, Gesundheitsvorsorge und des gesellschaftlichen Miteinanders.
Das alles mag stimmen.
Nur eine Frage bleibt: Wer spricht eigentlich über die Lebensqualität derjenigen, die die Rechnung bezahlen müssen?
Denn dass Schwimmen Daseinsvorsorge ist, bedeutet noch lange nicht, dass jedes gewünschte Bauprojekt automatisch finanziell vernünftig ist. Zwischen einem schönen neuen Schwimmbad und einem finanzierbaren neuen Schwimmbad liegen schließlich diverse Millionen Euro.
Dezernent Matthias Döding weist immerhin darauf hin, dass die Stadt bislang noch gar keine offiziellen Informationen über die genauen Förderkonditionen erhalten habe. Die endgültige Entscheidung über die Zukunft der Löhner Bäder steht ohnehin noch aus.
Aber eines steht offenbar schon fest: Jubeln darf man im Rathaus.
Denn zwei Millionen Euro Förderung sind zwei Millionen Euro Förderung.
Und wenn der neue Schuldenberg danach ein paar Meter höher ist, kann man zumindest sagen: Man hat beim Schuldenmachen nicht alles selbst verursacht.
Vielleicht sollte man deshalb künftig nicht mehr vom „Ersatzneubau“ sprechen. Sondern von einem „geförderten Wachstum des städtischen Schuldenbergs mit angeschlossenem Schwimmbad“.
Aber wer wird denn so kleinlich sein?
Hauptsache, es gibt eine neue Kombi-Schwimm-Halle. – Die Rechnung für den Bürger kommt dann später. Ganz bestimmt!!!.

