Löhne. Es war eine hoch emotionale und teilweise dramatische Debatte, die sich am Mittwochabend, 7. Oktober 2026, im Löhner Sportausschuss entwickelte. Im Mittelpunkt stand erneut das umstrittene Kombibad, dessen Neubau die Koalition aus SPD, Grünen und Linkspartei (Ex-SED) bereits 2024 beschlossen hatte.
Trotz der schon damals dramatischen Überschuldung der Stadt sollte ein komplett neues Kombibad mit Hallen- und Freibadbereich entstehen. Die Kostenschätzung lag in einer Größenordnung von 40 bis 60 Millionen Euro.
Jetzt, zwei Jahre später, der bittere Katzenjammer: Kämmerin: Die Finanzlage der Stadt ist „desaströs“!
Die Löhner Kämmerin Andrea Linnemann machte im Sportausschuss erneut unmissverständlich deutlich, wie ernst die finanzielle Situation der Stadt ist. Die Haushaltslage sei, so wörtlich, „desaströs“.
Auch der erwartete Bundeszuschuss von rund 2 Millionen Euro ändere daran grundsätzlich nichts. Ein solcher Zuschuss könne angesichts der Dimension des geplanten Projektes die Finanzierungsproblematik überhaupt nicht lösen.
CDU präsentiert Stufenplan
Die CDU legte in der Sportausschusssitzung einen detaillierten Stufenplan vor, mit dem die notwendigen Sanierungsaufgaben an den bestehenden Bädern Schritt für Schritt abgearbeitet werden sollen.
Damit wurde die Alternative zum bisherigen Konzept des Neubauprojektes aufgezeigt: Nicht ein neues unüberschaubares Millionenprojekt beginnen, sondern die vorhandene Bäder-Infrastruktur sichern und die notwendigen Investitionen nach Dringlichkeit und finanziellen Möglichkeiten abarbeiten.
Rot-Grün hätte gerne wieder mal die Entscheidung vertagt: Doch der Ausschuss will den Kurs-Wechsel und somit das Kombi-Projekt „beerdigen“.
Auf der anderen Seite wurde deutlich, dass die rot-grüne Seite eine Entscheidung über das weitere Vorgehen beim Kombibad zunächst gerne vertagt hätte.
Für die Kritiker des Projekts ist dies bemerkenswert. Denn der Neubau wurde 2024 mit rot-grüner Mehrheit beschlossen. Jetzt, nur zwei Jahre später, wird die finanzielle Situation der Stadt von der Kämmerin ganz klar und deutlich „desaströs“ bezeichnet.
Offenbar wächst damit auch bei den bisherigen politischen Befürwortern stückweise die Erkenntnis, dass zwischen ihren Wunschvorstellungen und den tatsächlichen finanziellen Möglichkeiten der Stadt eine drastische Differenz besteht.
Dr. Ottensmeier: „Schon 2024 war der Kombi-Bad-Beschluss wirklichkeitsfremd!“
Deutlich positionierte sich Dr. Hermann Ottensmeier von der Löhner-Bürger-Allianz (LBA).
Ottensmeier erinnerte daran, dass die LBA bereits 2024 den rot-grünen Beschluss zum Bau eines neuen Kombibades als wirklichkeitsfremd und unsinnig zurückgewiesen hatte. Doch damals fehlte noch eine realitätsorientierte Sichtweise von Rot-Grün.
Schon damals sei absehbar gewesen, dass ein Neubau in der Größenordnung von 40 bis 60 Millionen Euro völlig an den finanziellen Möglichkeiten der Stadt vorbeigehe. Die jetzt von der Kämmerin bestätigte desaströse Haushaltslage gebe dieser Einschätzung der LBA nachträglich recht.
Ottensmeier stellte deshalb im Sportausschuss den Antrag, den Rat der Stadt Löhne aufzufordern, den entsprechenden Beschluss aus dem Jahr 2024 aufzuheben, beziehungsweise zu streichen.
Statt eines überdimensionierten Neubauprojektes solle sich die Stadt auf eine stufenweise Sanierung der beiden bereits vorhandenen Bäder konzentrieren.
Ottensmeier erklärte, er habe inzwischen den Eindruck, dass offenbar auch Teile der SPD ansatzweise begonnen hätten, die Realität der Löhner Haushaltslage zu verstehen.
Dann kam es zur entscheidenden Abstimmung.
Der Antrag der LBA fand im Sportausschuss eine deutliche Mehrheit.
Damit könnte sich die bisherige Bäderpolitik der Stadt Löhne grundlegend verändern. Nach dem Willen des Sportausschusses soll das bereits vor der Kommunalwahl beschlossene, von der LBA als überdimensioniert kritisierte Neubauprojekt endgültig „begraben“ werden.
An seine Stelle soll ein Weg treten: Die beiden vorhandenen Bäder sollen Schritt für Schritt saniert und damit langfristig erhalten werden.
Politische Kehrtwende nach zwei Jahren
Sollte der Rat dieser Linie folgen, wäre dies eine bemerkenswerte politische Kehrtwende: Was SPD, Grüne und Linkspartei 2024 noch als zukunftsweisendes Großprojekt beschlossen hatten, könnte damit bereits zwei Jahre später wieder Geschichte sein. Die finanzielle Realität hat das Projekt offenbar eingeholt.
Die entscheidende Botschaft des Abends lautet deshalb: Löhne kann sich nicht mehr alles leisten, was politisch einmal beschlossen wurde.
Für die LBA ist die Richtung klar. Statt eines 40- bis 60-Millionen-Euro-Neubaus müsse die Stadt ihre vorhandenen Bäder erhalten und die erforderlichen Investitionen entsprechend ihrer finanziellen Leistungsfähigkeit Schritt für Schritt vornehmen.
Das Kombibad steht dann vor dem politischen >Aus< stehen. Was 2024 als großes Zukunftsprojekt verkauft wurde, könnte 2026 an der Realität des Löhner Haushalts gescheitert sein.

