Bielefeld. Ein ICE musste am Sonntagmorgen, dem 4. Januar 2026, außerplanmäßig im Hauptbahnhof Bielefeld stoppen – nicht wegen Technik oder Wetter, sondern wegen eines aggressiven Fahrgastes. Ein 40-jähriger Mann hatte Mitreisende massiv belästigt und das Zugpersonal angepöbelt. Erst das Eingreifen der Bundespolizei machte die Weiterfahrt möglich.
Der 40-Jährige aus Uganda hatte immer wieder auf die Tische geschlagen und Reisende beleidigt.
Der Mann benahm sich so gewaltätig, dass ein Zugbegleiter ihn von den anderen Reisenden trennen musste und die Bundespolizei alarmierte. Gegen ihn wird jetzt wegen einer Reihe von Delikten ermittelt. Der Vorfall wirft ein Schlaglicht auf ein Problem, das Fahrgäste seit Jahren kennen, über das aber erstaunlich leise gesprochen wird: Die Sicherheit im Fernverkehr hängt oft davon ab, wie lange aggressives Verhalten toleriert wird, bevor gehandelt wird. Dass ein kompletter ICE außerplanmäßig anhalten muss, um einen einzelnen Störer aus dem Verkehr zu ziehen, ist kein Routinevorgang – sondern ein Zeichen dafür, wie angespannt die Lage bereits war.
Ugander soll er zwei 14-Jährige Mädchen belästigt haben.
Laut Bundespolizei wurde der Mann deshalb nach der Einfahrt in Bielefeld angesprochen, seine Personalien wurden festgestellt, anschließend kam ins Gefängnis. [siehe Radio HF 5.1.2026]
Bemerkenswert ist, was in der offiziellen Kommunikation nicht thematisiert wird. Zwar gab der Mann an, aus Uganda zu stammen, doch staatsangehörigkeitsrechtliche Fragen oder ausländerrechtliche Konsequenzen spielen in der Meldung keine Rolle. Im Vordergrund steht ausschließlich der akute Ordnungs- und Sicherheitsaspekt. Das ist formal korrekt – blendet aber eine Debatte aus, die politisch längst geführt werden müsste: Wie oft kommt es zu solchen Vorfällen? Welche präventiven Mittel stehen Bahn und Bundespolizei tatsächlich zur Verfügung? Und warum scheinen Fahrgäste immer häufiger erst dann geschützt zu werden, wenn der Zug bereits zum Stehen kommt?
Der Fall Bielefeld zeigt: Es braucht keinen Terror, keine schwere Straftat, um den Bahnverkehr lahmzulegen. Ein einzelner aggressiver Mann genügt. Wer den öffentlichen Verkehr stärken will, muss deshalb auch unbequeme Fragen zur Durchsetzung von Regeln, zur Präsenz von Sicherheitspersonal und zur Konsequenz staatlichen Handelns stellen. Alles andere ist Beschwichtigung – auf Kosten der Fahrgäste. [themenbildki]

