Hunderte Weihnachtsbäume wurden in diesem Dezember gestohlen – teils nicht nur aus Vorgärten oder von Märkten, sondern bisweilen ausgerechnet von Kirchen. Ein besonders befremdlicher Fall ereignete sich im niedersächsischen Melle: In der Nacht auf Heiligabend verschwanden beide festlich geschmückten Weihnachtsbäume vor der evangelischen Kirche St. Petri spurlos.
Die Tat ereignete sich ausgerechnet in einer Nacht, die für viele Menschen für Besinnlichkeit, Nächstenliebe und Respekt steht. Entsprechend groß ist die Empörung in der Gemeinde. „Gottesdienstbesucher sind darüber entsetzt“, heißt es aus den Reihen der Kirchengemeinde. Dennoch wurde keine Anzeige erstattet – ein Umstand, der den Vorfall erst Tage später durch einen Bericht der Neuen Osnabrücker Zeitung öffentlich machte.
Besonders brisant ist, dass es sich nicht um einen Einzelfall handelt. Angriffe auf Kirchen mehren sich.
Seit 2015 ist republikweit eine ansteigende Tendenz zu beobachten.
Bereits im vergangenen Jahr verschwand einer von zwei Weihnachtsbäumen vor der St.-Petri-Kirche – ebenfalls in der Nacht vor Heiligabend. Auch damals blieb der Täter unbekannt. Laut einer ehrenamtlich Engagierten habe man diesmal bewusst auf eine Anzeige verzichtet: Es bringe ohnehin nichts.
Diese Resignation ist alarmierend. Denn sie signalisiert nicht nur Ohnmacht, sondern auch einen schleichenden Verlust des Vertrauens in Rechtsdurchsetzung und gesellschaftliche Normen. Wenn selbst Kirchen – Orte, die traditionell für Schutz und Gemeinschaft stehen – nicht mehr vor Diebstahl sicher sind, wirft das unbequeme Fragen auf.
Der Diebstahl von Weihnachtsbäumen ist kein harmloser Streich. Er ist Ausdruck einer zunehmenden Gleichgültigkeit gegenüber Gemeinschaft, Tradition und Verantwortung. Gerade in einer Zeit, in der Zusammenhalt oft beschworen wird, sollte klar sein: Wer Weihnachtsbäume stiehlt – noch dazu vor Kirchen –, tritt genau diesen Zusammenhalt mit Füßen. [themenfotokigeneriert]

