Bürgermeister-Rede vor leeren Bänken
Löhne. Eigentlich sollte der „Tag der Städtebauförderung“ am 9.05.2026 zeigen, wie modern, lebendig und zukunftsorientiert sich die Werrestadt entwickeln will. Präsentiert wurden Pläne rund um den Bahnhof als „Dritter Ort“, neue Wohnformen und Perspektiven für die Lübbecker Straße. Die SPD bewarb die Veranstaltung in sozialen Netzwerken sogar als eine Art „Stadtfest“.
Doch vor Ort bot sich ein völlig anderes Bild: Trotz sonnigen Wetters und frühlingshafter Temperaturen blieb der große Besucherzuspruch aus. Statt lebendiger Diskussionen dominierten leere Plätze und enttäuschte Gesichter.
Als Bürgermeister Christian Antl (SPD) gegen Mittag seine Ansprache hielt, standen vor ihm knapp 20 Zuhörer – darunter Verwaltungsmitarbeiter, Ratsmitglieder und ein Vertreter der Bezirksregierung. Antl bemühte sich dennoch um Zuversicht. Er sprach von „lebendigen Orten“, vom „Zusammenhalt der Stadtgemeinschaft“ und hob die Bürgerbeteiligung hervor. Zudem verwies er auf die „Rekordfördersumme von über zehn Millionen Euro“ für den Umbau des Bahnhofs. Zum Schluss appellierte er sogar an die Anwesenden, noch Freunde, Verwandte oder Nachbarn vorbeizubringen. Doch auch danach blieb der große Zuspruch aus.

CDU-Fraktionschef Maik Büssing warf der Stadt vor, sich zu stark auf prestigeträchtige Großprojekte zu konzentrieren. Diese ließen sich zwar öffentlichkeitswirksam vermarkten, verschlängen aber enorme Summen an Steuergeld und kämen nur einem kleinen Teil der Bevölkerung zugute. Stattdessen fordert Büssing mehr Investitionen in Straßen, Gehwege und Radwege – Maßnahmen, von denen deutlich mehr Bürger profitieren würden. Für ihn seien die schwachen Besucherzahlen ein deutliches Signal dafür, dass viele Menschen in Löhne andere Prioritäten erwarteten.
Drei Stunden später wirkte die Situation noch ernüchternder. Unterhalb der Werretalhalle lagen Kugelschreiber und Wunschkarten bereit, auf denen Bürger ihre Ideen für die Stadtentwicklung notieren sollten. Doch die Box mit den Rückmeldungen blieb fast leer. Die Mitarbeiter warteten größtenteils vergeblich auf Gespräche. Kurzzeitig keimte Hoffnung auf, als ein junges Paar die Treppe hinunterkam – allerdings nur, weil die beiden den Weg zu einem Konzert suchten. Während unten kaum Interesse an den Stadtentwicklungsprojekten bestand, verfolgten oben in der Werretalhalle rund 150 Besucher ein Konzert mit russisch-deutschen Liedern.
Auch in den weiteren Programmpunkten blieb der Andrang überschaubar. Im VHS-Forum präsentierten zwei Mitarbeiterinnen vier Gästen eine digitale Führung durch den Bahnhof. Im RIFF standen Kaffee und Kuchen bereit, vorbereitet vom Förderverein und Mitarbeitern der Stadtbücherei. Doch selbst kurz vor Veranstaltungsende war noch reichlich Kuchen übrig. Besucher dagegen fehlten weitgehend. „Es ist eher lasch“, fasste Bücherei-Auszubildender Horames Hoffmeister die Stimmung knapp zusammen.

Deutliche Worte fand außerdem Ratsmitglied Dr. Hermann Ottensmeier von der Löhner-Bürger-Allianz (LBA). Er bezeichnete die Stadtentwicklung in Löhne als „abschreckendes Beispiel“ für Fehlentwicklungen. Investoren seien in Löhne über Jahre hingehalten bzw. abgeschreckt worden. Dr. Ottensmeier sprach von einer „Investorenwüste“ im Zentrum, das durch diverse Leerstände geprägt ist und kritisierte symbolische Maßnahmen wie geplante Wildkräuterflächen im Stadtzentrum als Zeichen von Resignation. Zudem verwies er auf zahlreiche brachliegende Immobilien, die das Stadtbild prägten.
So bleibt am Ende vor allem ein ernüchternder Eindruck: Eine Veranstaltung, die Begeisterung für die Zukunft der Stadt auslösen sollte, machte vor allem deutlich, wie groß die Distanz vieler Bürger zu den städtischen Zukunftsprojekten inzwischen geworden ist. Statt Aufbruchsstimmung überwogen Skepsis, Desinteresse und Kritik.

