Über Jahre hinweg bot das ehemalige Maternus-Seniorencentrum in Melbergen an der Koblenzer Straße ein Bild des Niedergangs. Nach und nach verließen die Mieter das Gebäude. Geschäfte schlossen, das Restaurant un die Bäckerei verschwanden, schließlich zog Ende 2024 auch das Seniorenzentrum aus. Seitdem verfällt der Gebäudekomplex sichtbar – außen wie innen. Was einst als Gohfeld-Center ein lebendiger Treffpunkt war, entwickelte sich zu einem der größten städtebaulichen Schandflecken der Stadt Löhne.
Der Leerstand war keineswegs überraschend. Bereits über viele Jahre wurde nach Einschätzung zahlreicher Beobachter kaum das Notwendigste in die Immobilie investiert. Die Folgen sind heute unübersehbar: Leerstand, Verwahrlosung und ein negativer Eindruck für jeden, der den Ort passiert.
Nun neue Hoffnungen, die mit den am 2. Juli 2026 im Planungs- und Umweltausschuss vorgestellten Plänen verbunden sind. Der Investor aus Schwerte verfolgt ein ambitioniertes Konzept, das deutlich über eine einfache Sanierung hinausgeht. Statt einer kompletten Abrisslösung soll der Bestand weitgehend erhalten und zu einem modernen Wohnquartier umgebaut werden.
Das vorgestellte Konzept überzeugt auf den ersten Blick: geförderte Wohnungen, betreutes Wohnen, ein Bäcker mit Café, Räume für Kinderbetreuung und Pflegeangebote, Gemeinschaftsflächen, mehr Grün, Spielplatz, Urban Gardening sowie eine energetisch Sanierung mit Photovoltaik und Fassadenbegrünung, was der Klimakatastrophe entgegenwirken soll. Sollte dieses Vorhaben umgesetzt werden, könnte aus einer jahrelangen Bauruine ein Vorzeigequartier entstehen.

Dennoch bleibt eine unbequeme Frage: Warum musste dieses Gebäude erst über Jahre hinweg verfallen, bevor gehandelt wurde? Der schleichende Niedergang war für jedermann sichtbar. Dennoch entstand der Eindruck, dass Politik und Verwaltung den Zustand lediglich verwalteten, anstatt frühzeitig nach Lösungen zu suchen. Wertvolle Zeit ging verloren – ebenso wie die Attraktivität eines wichtigen Standortes im Ortsteil Gohfeld.
Ein weiterer Unsicherheitsfaktor bleibt die Finanzierung. Rund 90 Prozent der Investitionskosten sollen durch Fördermittel von Bund und Land gedeckt werden. Erst wenn diese Mittel bewilligt werden, kann das Projekt tatsächlich starten. Bis dahin bleibt die Vision ein vielversprechender Plan auf dem Papier.
Die Löhner dürfen hoffen, dass diesmal aus guten Absichten konkrete Taten werden. Nach Jahren des Stillstands wäre es ein wichtiges Signal für Melberen und die gesamte Stadt, wenn aus dem Sinnbild des Verfalls endlich ein lebendiges Quartier entsteht.
Gleichzeitig sollte dieses Projekt der Politik eine Mahnung sein: Stadtentwicklung darf nicht erst beginnen, wenn Gebäude bereits zu Ruinen geworden sind. Frühzeitiges Handeln ist meist günstiger, schneller und im Interesse aller Bürger, so lehrt auch das Trauerspiel um die Leerstände im Löhner Zentrum.
Die Zeit wird zeigen wie die Entwicklung in der Löhner „Innnenstadt“ weiter geht! [ © Werrebote]

